Schöckl Trail Area

Hirsch auf Rädern

David Trummer Superstar ;)

Text: Michi Gölles

…die letzten Downhill-Weltcuprennen waren aus heimischer Sicht etwas ganz Besonderes: Während Juniorin Vali Höll ihre Klasse weiter dominiert und erstmals bei wirklich vergelichbaren Bedingungen auch die Damensiegerin hinter sich lässt zeigt David Trummer bei den Herren groß auf: Dass Markus Pekoll bei der Red Bull-Liveübertragung durch die Decke geht lässt sich leicht erklären, war er ja vor David der erste Österreicher, der es in die Top Ten eines Downhillweltcups geschafft hat. Doch selbst die englischen Moderatoren Rob Warner/Eng und Claudio Caluori/Sui wurden euphorisch bei David´s Runs – vor 2 Wochen in Vallnord/And wie auch letztes Wochenende im französischen Les Gets…

Heuer ist so und so ein geiles Downhill-Jahr: Ein Rennen besser als das andere, unglaubliche Leistungen bei extrem schwierigen Bedingungen (…wie oft haben wir heuer schon gehört: So schwer war es noch nie…!) und auf ein mal auch bei den Herren ein Österreicher, der zumindest ums Podium mitfährt…

Für uns ein Grund, hier etwas weiter auszuholen – es ist ja fast so, als würde ein Afrikaner beim Skiweltcup aufs Podest fahren…

Ähnliches gelang jetzt David Trummer – der 25-jährige Steirer aus Gnas mischt aktuell den Downhill-Weltcup auf. Das da neben jeder Menge harter Arbeit, Einsatz und Herzblut auch das nötige Glück dazu gehört, soll diese Geschichte zeigen…wir – das Team der Schöckl Trail Area – sind verdammt froh, da auch ein bissl dazu beigetragen zu haben – sponsern wir ihn ja schon seit einigen Jahren…auch wenn das nur ein ganz kleiner Teil des großen Puzzles ist…

…beim Timed Training in Vallnord – war das der Moment, als David so richtig der Knopf aufging?!? Pic (c): Rick Schubert

…Glück? Wieso jetzt Glück? Ende letzten Jahres stand David nach zwei Saisonen mit dem Propain/Dirt Factory-Team beinahe vor dem Karriere-Ende – das Dirt Mag schlitterte in den Konkurs, die deutsche Marke Propain setzte ohne es Anzukündigen auf andere Fahrer und damit stand David plötzlich unerwartet ohne Support da…und so eine Weltcup-Saison braucht nicht nur Material, auf dem du dich richtig wohl fühlst, die kostet auch, und zwar so richtig…

Ich kenne das aus eigener Erfahrung: Wie oft habe ich früher – 20 Jahre her – von deutschen Sponsoren gehört, wie klein doch der österreichische Bikemarkt sei. Ich war also ebenso schockiert, als mich David letzten Winter anrief und von seinem Problem erzählte…wir, die Schöckl Trail Area, könnten die jährliche Sponsoringsumme etwas aufstocken – wenn es um eine ganze Weltcupsaison geht…ein Tropfen auf den heißen Stein!

Allerdings war David einer der wenigen Fahrer im deutschen Sprachraum, denen viele Leute gespannt auf die Finger schauten: 2011 fuhr er in seinem ersten Juniorenjahr bei der WM in Champery/Sui zum Vizeweltmeistertitel – hinter Troy Brosnan, auf Rang 5 ein gewisser Loic Bruni…was viele nicht wussten: Keine 14 Tage zuvor hat er sich beim Training am Schöckl die Hand angebrochen, fuhr also verletzt zum Vizeweltmeistertitel.

…das Podest bei der WM 2011, Quelle: cyclingnews.com, Pic.: Rob Jones

2014 siegte er gleich bei 2 internationalen IXS-Cupläufen (Europacup!) und holte sich den Gesamtsieg…regelmäßig war er der schnellste Downhiller des gesamten deutschen Sprachraums, der ganz große Kracher blieb aber aus…bis vor 2 Wochen beim Vallnord-Weltcup…

Wenn ihr es noch genauer wissen wollt schaut mal beim Lines Mag vorbei:

https://www.lines-mag.at/rider/david-trummer/

…aber nochmal zurück in den Winter 2018 – David bekam letztlich einen Platz im Team des deutschen Spitzendownhillers Erik Irmisch, wurde Teil des Team Racing Dudes und durfte damit die Saison mit dem neuen YT Tues 29er bestreiten. Noch im November hatte er das neue Bike – selbst als echter Factory-Team-Pilot hatte er sein Racebike noch nie so früh bekommen…

Mehr zu David´s Team findet ihr übrigens auf FB:

https://www.facebook.com/TEAMracingDUDES/

 

…am neuen YT Tues 29 fühlte sich David sofort wohl…

…außerdem war der Winter heuer richtig fein für uns Downhiller – der ganze Februar von top to bottom schneefrei bis zu unserer Frühjahrsrevision, und während wir uns in den Revisionswochen um die Strecken kümmerten war David shuttelnd am Gedscho unterwegs…#allyearlong 😉

…beste Trainingsbedingungen im März…

…immer wieder am spielen…

…und war selbst einigermaßen überrascht, als er schon Anfang März seine Sektoren-Bestzeit am Gedscho deutlich pulverisieren konnte:

Das passt – Sektorenbestzeit auf einem Kurs, den er schon oft anattackiert hat…

…wenn man David am Streckenrand beobachtet fällt eines besonders auf: So schwierig eine Stelle auch ist – und da gibt es bei uns bekanntlich einige – bei David sieht es immer leicht aus. Als ich mit ihm am Gedscho unterwegs war zeigte er mir seine Line im unteren Steilhang: Eine schwierige, extrem steile Kurvenpassage mit riesigen Querwurzeln…dahinter geht es noch 15 Höhenmeter schnell und steil bergab bevor ein kurzer Gegenanstieg wartet. Wäre es ein Rennen wäre die Stelle sehr wichtig – Speed mitnehmen ins Tretstück – eh schon wissen… Also: David surft mit Highspeed daher, lupft sein Bike von der einen Kurve in die nächste um die dann als Absprung zu nutzen – quer über einen fetten, abgeschnittenen Baumstumpf…um dann sein Vorderrad exakt in die nächste Kurve zu setzten (…8 Meter weit, 3 Höhenmeter weiter unten). Wenn du da nur 5 cm falsch liegst hebst du nochmal ab und klatscht 15 Meter weiter unten ins Flat wie das Schnitzel in der Pfanne…aber Bilder sagen mehr als Worte – hier beim Training heuer mit Trainingskollegen und Freund Andreas Kolb:

https://www.facebook.com/schoeckltrailarea/videos/2354728184812180/

…und auch die heurige Saison hat gut begonnen, los ging es ja mit dem internationalen IXS in Maribor mit extrem starken Starterfeld: Platz zwei in der Quali hinter Troy Brosnan/Aus (…wie schon bei der WM in Champery 2011) folgte ein starker 8. Rang mit sehr geringem Abstand auf das Podium…beim Downhill Weltcup in Maribor war er wieder stark unterwegs, landete auf Rang 15 – sein bestes Weltcupresultat überhaupt…

Hotseat-Time für David in Maribor, Pic (c) Rick Schubert

…die Zeit bis zum Weltcup in Schottland hat er gut genutzt, war oft auch bei uns am Schöckl unterwegs – so viele fordernde Naturstrecken findet man heutzutage gar nicht mehr, der tägliche Seilbahnbetrieb hilft natürlich auch…auch seine Teamkollegen von den Racing Dudes – Erik Irmisch/Ger und Johann Potgieter/Za brachte er mit zu uns:

Das Team Racing Dudes am Schöckl – übrigens war auch Norco Factory Racing zur selben Zeit am Berg…

Bei der EM in Portugal holte er sich Bronze, verpasste die Silberne nur um 13 Hundertstelsekunden…bei der österreichischen Staatsmeisterschaft lieferte er sich einen heißen Kampf mit Andreas Kolb – ein weiterer Österreicher den man im Auge haben sollte – und sicherte sich seinen 3. Staatsmeister-Titel…

Der Downhill-Weltcup ging dann in Fort William/Gbr in die nächste Runde – bei diesem Klassiker unseres Sports muss ein Fahrer wirklich alles mitbringen: Von Highspeed-Sections über sauglatte Waldpassagen bis hin zur konditionellen Stärke um am Motorway unten noch attakieren zu können…

…kalt, nass, rutschig – Fort Bill verlangt den Fahrern alles ab… Pic: (c) Rick Schubert

…und schon wieder im Hotseat! Pic: (c) Rick Schubert

…und schon wieder eine Karriere-Bestleistung – Rang 14, noch stärker als in Maribor…damit war die Erwartungshaltung für den Heimweltcup in Leogang natürlich riesig. Allerdings war Leogang noch nie der Kurs, der David´s Stärken extrem entgegen kam…mit dem 27. Qualirang im Salzburger Land lief alles fein, lag er doch nur 3 Sekunden hinter dem 10. Rang. Beim Rennen war es dann extrem staubig und damit glatt – David war in einer Kurve etwas zu schnell, rutschte kurz weg und war auch schon am Tor vorbei…shit happens.

Aber genau das macht den Downhillsport aus, genau das sorgt für Euphorie, wenn die besten Fahrer der Welt am absoluten Limit unterwegs sind…wie schwer es ist, einen Weltcupkurs auf Angriff fast ohne Fehler zu meistern…

Wieder stand eine Pause im Weltcup an – die Fahrer nutzen die Zeit, um zu Hause zu trainieren und Energie zu tanken. Wir wiederum freuen uns, dass David bei uns zu Hause ist und so arbeitete er weiter an der Technik und Materialabstimmung, versuchte, noch etwas rauszukitzeln…Ende Juni bekam ich dann folgende Whatsapp-Nachricht:

…David mit neuer Gedscho – Bestzeit…echt jetzt, unter 3 Minuten – Wödklasse!!!

…die Form hat also mehr als gepasst als sich David mit Mechaniker/Betreuer Jensen auf den Weg nach Andorra machte…die Hausstrecke des Commencal-Teams ist einer der Lieblingskurse von David, die ähnlich steil ist wie unser Gedscho…

David fühlte sich wohl, staunte allerdings nicht schlecht als er mit einem normalen Lauf plötzlich 4. im Timed Training war:

https://www.pinkbike.com/news/results-timed-training-vallnord-world-cup-dh-2019.html?utm_source=facebook&utm_medium=mobile&utm_campaign=news&fbclid=IwAR1zxeYrs30nFeEW-dBIt5C8YombLm2HDAWCNrByRMJ3X9RghJ02dXRxM7M

…und einen Tag später in der Quali am Podest landete – Rang 5…unglaublich. Der Niederösterreicher Max Frühwirth schaffte in der Quali sogar mal einen 2. Rang beim Weltcup in Kaprun – hatte dann im Rennen leider einen Patschen – aber das war irgendwann Mitte der 90ziger und ist mit heute kaum vergleichbar…

Die heimische Downhillszene wartete gespannt auf das Rennen in Andorra, bei dem David als 5-letzter an den Start ging…

…am Renntag war der Kurs tief staubig und rutschig… Pic: (c) Rick Schubert

Der erste Teil des Kurses in Andorra ist recht flach, dann wird es aber extrem – in den letzten Jahren haben sich die Sieger oben eher zurückgehalten um in den steilen Teilen voll angreifen zu können…David legte es in Andorra ähnlich an, lag bei der ersten Zwischenzeit noch etwas weiter zurück um dann den Turbo zu zünden…

…David auf Tuchfühlung mit den Besten der Welt… Pic: (c)

…full speed mode on! Pic: (c) Rick Schubert

…David hängt Fahrer wie Danny Hart ab und bringt es ins Ziel…Pic: (c) Rick Schubert

…unter dem Jubel der Zuschauer ist die Erleichterung riesig – er hat es geschafft! Pic: (c) Rick Schubert

…mit Rang 7 schaffte er das beste österreichische Ergebnis überhaupt im Downhill-Weltcup, Markus Pekoll war mit einem 8. Rang bisher der Beste, der Brucker Manuel Gruber (Windham 2015) der einzige weitere Österreicher, der es in der Neuzeit des Sports in die Top Ten geschafft hat. Irgendwas muss es da haben mit dem steirischen Trinkwasser…oder geht es da doch um Strecken wie den Schöckl und Schladming ?!?

Wobei kaum Zeit blieb, um zu realisieren, was da gerade geschehen ist – schon am folgenden Wochenende stand in Les Gets/Fra der nächste Weltcup an…

…Rang 16 im Gesamtweltcup vor Les Gets – sehr wichtig im Weltcup, die Top20 sind ja fix im Finale… Pic: (c)

…nach 15 Jahren Pause fand sich der Weltcuptross wieder in Les Gets ein – schon bei der Besichtigung wurde klar, dass da kaum ein Fahrer so einen Kurs gewohnt war: Offene, schnelle Wiesenkurven auf einer Skipiste – das gab es in den letzten Jahren kaum. „Eher kein Kurs der mir entgegen kommt…“, dachte sich David, ging aber dennoch motiviert ins Training…

…ungewohntes Terrain, mit dem 18. Qualirang war David voll zufrieden… Pic: (c) Rick Schubert

Im Rennen hatte David wieder seinen Spass – war sauber unterwegs und konnte bis ins Ziel voll attackieren, machte keinen groben Fehler…

…David reitet die nächste Attacke, diemal in Frankreich… Pic: (c) Rick Schubert

…beste Stimmung und eine unglaubliche Zuschauerkulisse in Hochsavoyen… Pic: (c) Rick Schubert

…und David erneut in den Top Ten des Downhill-Weltcups… Pic: (c) Rick Schubert

…diesmal auf einem Kurs, den er noch nicht kannte…und von dem er dachte, er würde ihm nicht besonders liegen: Rang 8, zwei mal hintereinander in den Top Ten – auch das gab es in der heimischen Downhill-Geschichte noch nie! Dazu noch Vali Höll, die bei den Juniorinnen mit einer Siegerzeit gewinnt, die selbst bei den Damen zum Sieg gereicht hätte – und das bei vergleichbaren Trailbedingungen…

Nach Les Gets findet sich David jetzt auf Rang 10 im Gesamtweltcup – auch das hat noch kein Österreicher vor ihm geschafft…

Auf des Messers Schneide: Genau das macht unseren Sport aus – wir können den Rest der Gravity-Saison kaum abwarten! So genial, dass David seine Trainingleistungen bestätigen konnte…um ein Haar hätte der Gnaser letzten Winter seine Karriere beendet, jetzt dürfen wir hoffen – auf das erste heimische Weltcuppodium, die WM in Mount St. Anne/Can oder was auch immer…genau genommen kann David das aber ganz ohne Druck angehen, er hat heuer schon so viel geschafft…

Wir wünschen allen heimischen Gravity-Piloten eine feine Rennsaison 2019, vielleicht sehen wir uns ja am Schöckl 😉

Viel Spass am Bike, Michi!

P.s.: Ein Video fällt mir zu David noch ein, das ich euch nicht vorenthalten will – schon etwas älter – 2015 bei uns am Gibim:

https://www.facebook.com/schoeckltrailarea/videos/1784325211798086/

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